Toni Erdmann

Maren Ades Tragikomödie über eine gestörte Vater-Tochter-Beziehung war letztes Jahr in Cannes der erste deutsche Wettbewerbsbeitrag seit acht Jahren. Er begeisterte Publikum und Presse und war heißer Favorit für die Goldene Palme.

Der Film wurde von George Millers Jury aber zu Unrecht übergangen. Einen Triumph für das deutsche Kino stellt der Geniestreich „Toni Erdmann“ trotzdem dar. Der Wiener Theaterschauspieler Peter Simonischek verkörpert den Alt-68er-Musiklehrer Winfried, der seine Umwelt gern mit spontanen Scherzen traktiert und nichts richtig ernst nimmt. Ein Dorn im Auge ist ihm lediglich Tochter Ines (Sandra Hüller), die als karrierebeflissene Unternehmensberaterin seiner Meinung nach ihr Leben vergeudet. Er will sie umdrehen und erfindet zu diesem Zweck die Kunstfigur Toni Erdmann.

Mit schwarzer Perücke und Scherzgebiss drängelt er sich in das Berufsleben von Ines und gibt sich gegenüber deren Chefs wahlweise als Berater des Tennismanagers Ion Tiriac, diplomierter Coach oder deutscher Botschafter aus. Indem er die Rituale der Geschäftswelt veralbert und karikiert, will er seiner Tochter verdeutlichen, in was für einer hohlen Welt sie sich eingerichtet hat. Ines lässt sich vom falschen Toni nicht so leicht beeindrucken. Aber dann sieht es so aus, als würde der Anarchofunken doch noch zünden. „Toni Erdmann“ ist ganz großes Kino.


Mehr bei cinema.de.